Dieses Mal geht es nicht direkt um die Kräuter, sondern um eine uralte Tradition, die die Vegetationskräfte in der Natur weckt. An diesem Sonntag ist es nämlich wieder soweit: Im Vinschgau ist wieder Scheibenschlagsonntag. Dieser Brauch hat mich vom ersten Moment an, vor nun rund 27 Jahren, seit ich im Vinschgau lebe, auf einer tiefen Ebene berührt. Er strahlt so eine Kraft und Magie aus, wie ich es noch nie vorher in meinem damaligen jungen Leben erlebt habe. Und er hat mich nie mehr losgelassen.

Scheibenschlagen in Mals Unterdorf, vor der gigantischen Bergkulisse
Foto&Bearbeitung Martin Ruepp
Ich muss vielleicht noch vorausschicken, dass ich mich nicht nur tief mit den Pflanzen und deren Heilkraft verbunden fühle, sondern auch mit den uralten Traditionen. Es mag ihr Sinn und Zweck vergessen geworden sein, aber ihr Geist umweht uns heute noch.
Meine Zugänge zur Wissenserfahrung sind einmal wissenschaftlicher Natur und ein andermal durch meinen Zugang zur Anderswelt. Diese Ebene, die untrennbar mit der alltäglichen Wirklichkeit verbunden ist, und die auf ihr Einfluss nimmt sowie umgekehrt.
Früher wusste man noch, dass solche mächtigen Rituale die Brücken sind, durch die Kraft und Energie von der Anderswelt in die materielle Welt manifestiert werden konnte. So auch das Scheibenschlagen. Wie bei jedem Wechsel und Übergang macht es einen Unterschied, ob man es gehen lässt, wie es halt geht, oder ob man die Veränderungskraft lenkt und leitet. Am besten geht die Lenkung durch ein Ritual mithilfe der Kräfte aus der feinstofflichen Ebene. Und solch ein Ritual ist das Scheibenschlagen; eigentlich sind es ja zwei getrennte Rituale, die zusammen praktiziert werden. Aber dazu später mehr.

Bild und Copyright: Sybille Tröger
Hier an dieser Stelle möchte ich euch an meiner Sicht von der Seelenebene aus teilhaben lassen. Die wissenschaftliche Sicht auf diesen Brauch ist schließlich schon öfter beschrieben worden.
Die Bräuche unterscheiden sich in ihrer Ausführung und in ihrem Aussehen von Ort zu Ort sehr. Wie so üblich, wächst jedes Ritual mit den Menschen, die es ausführen, und dem jeweiligen Geist des Ortes zu einer individuellen und für hier stimmigen Handlung.
Dieser Brauch wurde Gott sei Dank nie standardisiert, denn das würde seine Lebendigkeit einschränken und ihm damit einen grossen Teil der Kraft berauben. Hinter all den Unterschieden geht es um Folgendes:
Wenn die Larmstange oder die Hex aufgestellt wird, geschieht das durch mehrere Männer gleichzeitig. Sie stellen ihre körperliche, aber auch männliche Kraft zur Verfügung, um den Fuß der Hex oder der Larmstange tief in der Erde zu verankern und durch das Aufrichten dieser hohen Gebilde, den Himmel mit der Erde zu verbinden. Die Stange ist mit Stroh umwickelt und wird zu einem vorgegebenen Zeitpunkt, meist zu Beginn der Dämmerung, angezündet. Danach wird ein anderes grosses Feuer entfacht, in dem die Scheiben (Holzscheiben in verschiedenen Formen) an Haselnussgerten zum Glühen gebracht werden. Diese werden für sich selbst oder für jemand anderem mit einem Spruch, der auch von Ort zu Ort variert, ins Tal geschleudert. Das sind die zwei Rituale in einem, die ich vorher schon angedeutet habe.
Im Folgenden erzähle ich euch die Sicht auf diese zwei Rituale, die ich in der Anderswelt erhalten habe. Damit erhebe ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da hinter Allem mehrere Ebenen und Bilder stehen.
Seelenreise zum Brauch des Scheibenschlagens im mittleren und oberen Vinschgau:

Scheibenschlagen in Schluderns, Foto und Coppyright: Sybille Tröger

Bloggerin, Kräuterkundige, Schamanin und Krankenpflegerin
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